Das Spiel
Definitionen
„Definitionen“ schon die Überschrift verrät das das Phänomen Spiel schwer zu definieren ist. So gibt es nahezu so viele verschiedene Spieldefinitionen, wie es unterschiedliche Sichtweisen in den Spieltheorien gibt. Wodurch kommt diese Bandbreite zustande?
Einen Ansatzpunkt dafür lässt sich aus den Spieltheorien ableiten, denn wie im vorherigen Kapitel dargestellt gibt es eine Menge unterschiedlicher Zugänge zum Phänomen Spiel.
Zum anderen wird der Begriff „Spiel“ sowohl theoretisch als auch umgangssprachlich sehr unterschiedlich gebraucht. Man bezeichnet mit „Spiel“ die Spielhandlungen von Kindern, Erwachsenen sogar Tieren aber auch ganz differenzierte Ausformungen, Inhalte, Strukturen und Ziele von Spiel.
Eine weitere Schwierigkeit liegt in den Theorien selbst, selten wird empirisch begründet oder an Beispielen fixiert, was gemeint ist. So geht der historische Charakter des Spiels verloren, denn ein Spiel muss nicht im Zeitverlauf erhalten bleiben bzw. Spiele die heute aktuell, sind waren früher noch nicht existent. Dadurch ergeben sich Perspektivverschiebungen. So haben wir bis heute eine ungeklärte definitorische Ausganglage. Einige der bekanntesten Definitionen werden im Folgenden kurz vorstellt.
Johan Huizinga definierte: „Spiel ist eine freiwillige Handlung oder Beschäftigung, die innerhalb gewisser festgesetzter Grenzen von Zeit und Raum nach freiwillig angenommenen, aber unbedingt bindenden Regeln verrichtet wird, ihr Ziel in sich selber hat und begleitet wird von einem Gefühl der Spannung und Freude und einem Bewusstsein des „Anderseins" als das „gewöhnliche Leben".
Auch Schillers oft zitierter Satz: „… der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ wird als Definition verwendet.
Die von Scheuerl vorgelegten Wesensmerkmale des Spiels dienten vielen Autoren als Vorlage zur Definition. Scheuerl selbst leitete aus seinen Wesensmerkmalen folgende Erklärung ab: „Mein Definitionsversuch lautet deshalb: Spiel, spielen ist ein Bewegungsablauf, der durch die Momente der Freiheit, der Ambivalenz, der relativen Geschlossenheit und der besonderen Zeitstruktur und Realitätsbeziehung („innere Unendlichkeit“, „Scheinhaftigkeit“, „Gegenwärtigkeit“) von anderen Bewegungsabläufen unterschieden werden kann. Spieltätigkeiten sind dann dadurch (und nur dadurch) definiert, dass sie solche Bewegungsabläufe erzeugen und aufrechterhalten.“
An diesen Beispielen lässt sich erkennen, wie vielfältig Spiel definiert wurde.
Norbert Kluge stellte fest: „Deshalb ist es neuerdings üblich, die Wesensmerkmale bisheriger Theorieansätze zu resümieren und auf eine Spieldefinition im klassischen Sinne zu verzichten.“
Er untersuchte verschiedene spieltheoretische Abhandlungen neuerer Autoren in Hinsicht auf ihre Spielmerkmale.
Dabei stellte er fest das nur zwei Merkmale (Freiwilligkeit, Spaß) von allen Autoren ausgewiesen werden. Die anderen Merkmale werden unterschiedlich beachtet. Daraus folgerte er, dass die Scheu vor Definition nicht bedeuten kann , auf diese gänzlich zu verzichten. Eine Lösung für das Dilemma sieht er in der Möglichkeit Arbeitsdefinitionen für einzelne Spielformen aufzustellen.
In eine ähnliche Richtung zielt Walter, der Spiel in einen handlungstheoretischen Ansatz beschreibt. Seiner Ansicht nach ist Spiel: „eine spezifische, aktive Sonderform menschlichen Handelns und Verhaltens, die aus der Auseinandersetzung und Wechselbeziehung von Individuum und Wirklichkeit, von subjektiven (inneren) und objektiven (äußeren) Faktoren bestimmt wird". Damit wird Spiel nicht allgemein gültig definiert sondern jeweilig aus den Handlungsrahmen im Spiel bestimmt.
Eine allgemein gültige Spieldefinition gibt es somit nicht, je nachdem welchen Betrachtungswinkel man zugrunde legt, ist eine andere Spieldefinition aussagekräftig.
Den definitorischen Angelpunkt dieser Arbeit stellt die handlungstheoretische Spieldefinition dar. Spiel ist demzufolge eine spezifische, aktive Tätigkeit des menschlichen Handelns, das durch den jeweiligen Charakter und durch die Umweltbedingungen beeinflusst wird. Die Spielhandlung zeichnet sich durch Merkmale aus wie:
diese findet man auch bei den meisten Theoretikern neuerer Ansätze.
Merkmale
des Spiels |
Calliess |
Garvey |
Maier |
Sutton-
Smith |
Zweckfreiheit |
+ |
+ |
+ |
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Freiwilligkeit |
+ |
+ |
+ |
+ |
Intrinsische Motivation |
+ |
+ |
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+ |
Spaß, Freude, Vergnügen |
+ |
+ |
+ |
+ |
Quasi- Realität (Scheinhaftigkeit) |
+ |
+ |
+ |
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Handelnde Auseinandersetzung mit der vorgefundenen Wirklichkeit |
+ |
+ |
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+ |
Ambivalenz |
+ |
+ |
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+ |
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| Favorisierte Spielmerkmale |
Das Postulat vieler, der Zweckfreiheit wird nicht in die theoretische Perspektive aufgenommen, da Spiel aus Sicht des Spielleiters nicht zweckfrei ist, sondern immer eine bestimmte Absicht verfolgt. Erweitert wird diese Perspektive noch durch „die personale Gestaltung der jeweiligen Spielsituation und ihre angemessene Variation“, die man auch bei Röhrs wieder findet.