Das Spiel - Spieletheorien
Spieltheorien in der Aufklärungszeit, Klassik und Romantik
Mit Beginn der Aufklärungszeit knüpfte man an antikes Gedankengut an. Das Interesse an Spiel wuchs zumindest quantitativ, dies wurde dokumentiert durch ein Anwachsen der Zahl und des Umfanges von Texten. Scheuerl begründete dies mit dem Umbruch „politischer, wirtschaftlicher und sozialer Verhältnisse". Dennoch erfolgte die Entwicklung nicht zufällig, da diese Epoche geprägt wurde durch die Trennung von „Arbeit" und „Freizeit" sowie der klaren Abgrenzung von „Kindheit" und „Jugend" vom „Erwachsenenstatus". Aus der Vielzahl möglicher Ansätze und Gedankenströme, werden im Folgenden einige beispielhaft dargestellt.
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John Locke * 29. August 1632 in Wrington bei Bristol; † 28. Oktober 1704 in Oates
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John Locke sah im kindlichen Spiel eine Form der Erholung das zum „Charakter dieses Alters" gehört. Weiterhin schrieb er dem Spiel eine diagnostische Funktion zu: „Als weiterer Vorteil dieser Gewährung … ergibt sich, dass dies ihr natürliches Temperament offenbart, ihre Neigungen und Anlagen aufdeckt…."
Dem Erwachsenen kommt nach Locke die Funktion zu das Spiel zu lenken: „Was immer sie tun, hinterlässt … einen Eindruck, und von da erhalten sie eine Neigung zum Guten oder Schlimmen: Und was immer solch einen Einfluss hat, sollte nicht vernachlässigt werden". Als weiteren Gedanken greift er die Verbindung von Lernen und Spiel auf: „…Kinder nehmen, … reichlich Anstrengungen auf sich, um manche Spiele zu lernen, welche sie, wären sie ihnen befohlen, als Pflicht und Geschäft verabscheuen würden…".
Ein weiterer Vertreter dieser Zeit ist der Philanthrop Johann Christoph Friedrich Guts Muths. Er stellte fest: „Spiele sind wichtige Kleinigkeiten; denn sie sind zu allen Zeiten, unter allen Völkern, bei jung und alt Bedürfnisse gewesen, weil Freude und Vergnügen zur Erholung von Arbeit, leider wohl auch zum Schutz gegen Langeweile, ebenso gut Bedürfnisse sind wie…. Spiele sind daher über den ganzen Erdkreis verbreitet… .
Ein anderer Gesichtspunkt in seinen Abhandlungen sind die interkulturellen Aspekte, er stellt fest das man: „…aus den Spielen auf den Charakter eines Volkes schließen.“ kann. Daraus folgert er, das Spiele zu den „Erziehungsmitteln ganzer Nationen gehören“.
Somit ist bei Muths, das Spiel nicht mehr nur dem Kind zugeordnet, sondern auch den Erwachsenen. Er stellt dabei den Unterschied zwischen Kinder- und Erwachsenenspielen heraus: „Wir überlassen den frivolen Gesellschaften der Erwachsenen alle Spiele, die mit Zweideutigkeiten, Anspielungen auf Liebe, Küssen usw. gewürzt sind. Die Jugend spiele nur unschuldig, nichts schmückt sie so sehr wie Unschuld“ . Zusätzlich zu dieser Klassifikation unterscheidet er die Spiele noch in sitzende und bewegende Spiele.
Im Mittelpunkt der Spieltheorien in der Zeit Aufklärung standen somit die diagnostischen, erholenden erkenntnisvermittelnden und übenden Funktionen des Spiels. Dem Spiel wurde neue Wertschätzung entgegengebracht.
Bei den Spieltheoretikern der Klassik und Romantik wird der Spielbegriff erweitert. Spiel ist nicht mehr nur Tätigkeitsart des Kindes und des Erwachsenden , sondern wird zu einen philosophischen Prinzip.
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Johann Christoph Friedrich Schiller * 10. November 1759 in Marbach am Neckar, † 9. Mai 1805 in Weimar |
Ein Vertreter dieser Zeit ist Friedrich Schiller. Sein Satz: „Denn um es endlich auf einmal herauszusagen, der Mensch spielt nur wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt. " wurde oft zitiert und beeinflusste nachhaltig die Spielforschung. Schiller betrachtet das menschliche Leben zwischen den Polen „Stofftrieb" und „Formtrieb", zwischen triebhafter Begierde und moralischer Nötigung. Dem „Spieltrieb" kommt dabei eine Vermittlerrolle zwischen den Polen zu.
Er schreibt dazu: „Der Spieltrieb also, als in welchen beide verbunden wirken, wird das Gemüt zugleich moralisch und physisch nötigen; er wird also, weil er alle Zufälligkeit aufhebt, auch alle Nötigung aufheben und den Menschen sowohl physisch als moralisch in Freiheit zu setzen". Spiel dient also dem Ausgleich. Ein anderer Aspekt für Schiller ist der Gedanke der Freiheit des Spiels. Seine philosophische Spieldeutung öffnete Kritikern ein „Tor zu einem Reichtum an neuen Gedankengängen".
Ein weiterer wichtiger Vertreter dieser Epoche ist Friedrich Fröbel, er gilt als Initiator der Kindergartenpädagogik. Sein Hauptaugenmerk lag auf dem kindlichen Spiel , der Bedeutung von Spielsachen sowie auf der Ableitung pädagogischer Prinzipien zur Erziehung der Kinder.
Die verschiedenen Auffassungen des Spielphänomens sind in beiden Epochen sehr komplex. Auch durch die philosophische Erweiterung von Schiller und anderen Vertretern finden sich viele Ansatzpunkte um das Theorem Spiel zu diskutieren.