Das Spiel - Spieletheorien
Die psychologischen Ansätze
Die psychologischen Ansätze geben Antwort auf die Frage, warum gespielt wird und werden unterteilt in psychoanalytische und entwicklungspsychologische Ansätze.
Die psychoanalytische Spieldeutung schließt inhaltlich an die Katharsistheorie von Carr an. Die Theorie sieht im Spiel ein Medium das dem Menschen hilft seine „Triebe“, „Dränge“ und „Affekte“ abzuwerfen d.h. Spiel wirkt als „Reinigungsfilter“. Diese Aussage wird erweitert um den Aspekt der Spieldiagnose und ergänzt durch die Möglichkeit der Spieltherapie.
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Sigmund Freud * 6. Mai 1856 in Freiberg (Mähren); † 23. September 1939 in London |
Ein Vertreter ist Sigmund Freud, der keine eigene Theorie aufstellt, aber umfassende Erklärungen zu von ihm beobachteten Spielphänomenen publiziert. Spiel ist für ihn die Möglichkeit Lebenseindrücke, Schicksalswendungen und Konflikte im Sinne des Lustprinzips oder Wiederholungsprinzip zu verarbeiten. Warum Kinder spielen, wird an den Polen betrachtet: „Spiel als ein reaktives Fantasieprodukt, das lustvolle Erfahrungen bietet." aber auch „Möglichkeit zur adäquaten Verarbeitung" von Konflikten d.h. verarbeiten durch wiederholen.
Aufgegriffen wird das Wiederholungsprinzip in der Spieltherapie, die die unbewusste Verarbeitung von Ängsten und nicht verarbeiteten Konflikten sich nutzt.
Die Psychoanalyse beschäftigt sich nur mit dem Kinderspiel, da im Erwachsenspiel andere Mechanismen der Lustbefriedigung und der Verdrängung greifen.
In den entwicklungspsychologischen Ansätzen wird das Kinderspiel besonders ausführlich diskutiert. Im Forschungsinteresse steht der Zusammenhang zwischen Kinders piel und kindlicher Entwicklung, bekanntester Vertreter ist Jean Piaget. Piagets Spieltheorie ist eng verbunden mit seiner Theorie zur kognitiven Entwicklung. Im Spannungsfeld der kindlichen Entwicklung definiert er zwei Opponenten die „Akkomodation“ und „Assimilation“.
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Jean Piaget * 9. August 1896 in Neuchâtel; † 16. September 1980 in Genf |
Unter Akkomodation versteht Piaget den Prozess der kognitiven Anpassung an die Umweltgegebenheiten. Assimilation ist der diametrale Prozess, hier werden die Umweltgegebenheiten an die kognitive Struktur des Kindes angepasst. Nach Piaget entspricht also die Imitation der Akkomodation, das Spiel der Assimilation und stellt damit den Moment der Eroberung dar Umwelt dar.
Im Sinne des Zusammenhangs der kognitiven Entwicklung und der Spiele unterscheidet er Spielformen in: Übungs-, die Symbol- und die Regelspiele.
Alter des Kindes |
kognitive Entwicklung |
Spielform |
2. – 18. Lebensmonat |
sensomotorisches Stadium |
Übungsspiel |
2. – 7. Lebensjahr |
verbales und symbolisches Denken |
Symbolspiel |
7. – 11. Lebensjahr |
verbales und symbolisches Denken |
Regelspiel |
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Parallele der Denk- und Spielentwicklung des Kindes (nach: Hering) |
Piaget geht davon aus, das die Phasen aufeinander folgen d.h. die Abfolge kann zwar forciert oder retardiert, aber nicht variiert werden.Durch den engen Zusammenhang zur kognitiven Entwicklung der Menschen und der Spieltheorie wurde das Spiel der Erwachsenen kaum betrachtet.
Die Gründe, für diesen Mangel, sind in der Orientierung der Entwicklungspsychologie zu sehen. Dennoch greifen einige Autoren den assimilativen Aspekt des Spiels gerade im Zusammenhang mit der Erwachsenensozialisation auf.
Innerhalb der psychologischen Auseinandersetzung wurden auch motivationspsychologische Theorieaspekte des Spiels untersucht. Im Forschungsinteresse stand die Überlegung, warum sich Menschen auf das Spiel einlassen.
Besonders Heckhausen analysierte das Neugier- und Explorationsverhalten vor dem Hintergrund intrinsischer Motivation.
Im Zentrum seiner Überlegung steht der so genannte „Aktivierungszirkel“ dieser ist eingebettet in den Kontext vier weiterer Merkmale:
- „undifferenzierte Zielstruktur und die unmittelbare Zeitperspektive“
- „Zweckfreiheit“
- „Quasi-Realität“
- „Handlungscharakter“.
Er folgert, dass im Spiel eine psychische Spannung aufgebaut wird , die er mit dem Aktivierungszirkel beschreibt. Nach Heckhausen pendelt die Spannung um einen „mittleren Spannungsgrad“ herum.
In dieser prozessualen Sichtweise baut sich Spannung bis zu einer gewissen Höhe auf, fällt dann ab um sich dann wieder erneut aufzubauen.
Dabei wird der mittlere Spannungsgrad als Basismotivation angesehen so das der Prozess des Pendelns, zu „lustvollen" Erleben führt, anregende Wirkung ausübt und die momentane Funktionstüchtigkeit der kognitiven und motorischen Fähigkeiten günstig beeinflusst".
Die Spannung wird durch bestimmte „Anregungskonstellationen“ verursacht, die er als „Diskrepanzen“ bezeichnet. Heckhausen unterteilt diese in vier Kategorien:
- „Neuigkeit“ ( gegenwärtige vs. frühere Wahrnehmung)
- „Überraschungsgehalt“ (Wahrnehmungen vs. Erwartungen)
- „Verwickeltheit“ (im gegenwärtigen Wahrnehmungsfeld) und
- „Ungewissheit“ (zwischen verschiedenen Erwartungen) .
Heckhausen unterscheidet Kinderspiel vom Erwachsenenspiel vor allem durch die unterschiedliche Wahrnehmung der Umwelt.
Bei Erwachsenen: „wird Spiel erst möglich durch räumliche und zeitliche Abgrenzung, durch die Quasi-Realität schaffende Spielregel. Dadurch wird der Spielwelt ein Teil, dessen, … an Überraschung und Gefährdung, kurz an Anregungspotenzial verloren hat, wiedergegeben".
Der Erwachsene ist für ihn ein rational gesteuertes Wesen, deswegen sieht er in der Diskrepanztheorie Ungewissheit die dominierende Variable im Sinne der Spielmotivation. Wie schon in der Erholungstheorie steht auch bei Heckhausen der Erholungs- und Reproduktionswert vom Erwachsenenspiel im Vordergrund: „Monotonie verwandelt sich in Abwechslung, Langeweile in Kurzweil, Entspanntheit in Ablaufzirkel von wachsender Spannung und plötzlicher Erleichterung". Den Erkenntniswert, dem er noch dem Kinderspiel zusprach, spricht er dem Erwachsenenspiel ab.
Kritisiert wird Heckhausens Theorie vor allem wegen seiner starren Sichtweise im Sinne des Reifekonzepts eines erwachsenen Menschen und des Umweltkomplexität und der fehlenden Betrachtung des Sozialisationsaspektes. Im Sinne der einleitend erwähnten Fragestellung: Warum spielen Menschen? Ist die Begrifflichkeit oder das Prinzip der Lust am Spielen ein Aspekt der psychologischen Ansätze.