Spielen & lernen
Lernverfahren
In Spielen als Lernverfahren lässt sich das zweite Charakteristika: „Das Spiel selbst trägt dazu bei, Gelerntes zu vertiefen und zu sichern." von Twellmann einordnen. Er folgert, dass einmal Erlerntes zur Verfügung steht, auch zum Spiel. Der Spielprozess wirkt auf das Erlernte zurück, d.h. das Erlerntes vor allem trainiert, gefestigt und geübt wird und somit später schneller zur Verfügung steht. Im Gegensatz zum unbewussten Lernen vor dem Spiel, was allgemein der Spielfähigkeit dient, handelt es sich hier um Spiel, das bewusst dem Lernen dient. Somit ist dem Spiel nicht mehr dem Selbstzweck zugeordnet, sondern dient „außerspielerischen Zwecken" und wird damit zum Hilfsmittel.
Kluge sieht den Bildungscharakter von Spiel insbesondere in der Möglichkeit im Spiel Ursache und Wirkung kennen zu lernen. Dabei wird wahrgenommen, wie eine Sache zu einer anderen führt. Er diskutiert seine Sichtweise mit Blick auf das kindliche Lernen. Diese Sichtweise kann man aber auch für das Erwachsenenspiel annehmen, wenn man an die Möglichkeit von Planspielen oder auch Simulationen denkt.
Für Calliess ist Spiel: „die Form motivierenden Lernens". Er stellt dabei den besonderen Charakter von Spiel heraus, da es von intrinsischer Motivation getragen wird. Damit eignet es sich besonders gut für das Lernen. Dieser Meinung schließen sich viele Spielpädagogen wie Baer an. Dennoch wird hinterfragt ob der Analogieschluss Spiel macht Spaß und im Spiel lernt man richtig ist. Denn damit wird postuliert dass die intrinsische Lernmotivation, der des Spielens entspricht. Formuliert man diese Annahme als Prämisse, dann liegt auch nach Sinnhart nahe das Spiel ein Lerntyp ist.
Das Argument des Lernens in einer Quasi-Realität wird von Autoren wie Bally aufgegriffen. Er sieht die Möglichkeit des Lernens im Spiel besonders darin, „dass es in einem entspannten Feld stattfinde". Die damit einhergehende Spielfreiheit bedeutet den Zugang zu Erfahrungen und Verhaltensweisen, die im Alltag mit Angst und Sanktionen verbunden werden. Damit wird es dem Spieler erlaubt Verhaltensweisen zu erproben. Genau dieses Probehandeln ermöglicht es dem Spieler innerhalb seiner Quasi-Realität, sich mit einem kalkulierten Risiko auf neue Verhaltensweisen einzulassen.
Damit unterliegt das Spiel nicht dem Perfektionismus des Alltags, sondern lässt einen Spielraum des Probierens und ist somit von Vorläufigkeit geprägt. Der besondere Reiz des Spielens liegt also in der Möglichkeit des Probierens im Sinne von planvollem Handeln, damit verändert es die spezifische kognitive Struktur des Spielers. Somit kann Spiel der Vorbereitung künftiger Verhaltensweisen dienen.
Diese Sichtweise unterliegt der Kritik, dass sie zu allgemein gefasst ist, A. Flitner sieht das Probehandeln nicht immer im alltäglichen Leben wiederholt wird, dabei geht Sie von der inhaltlichen Seite eines Rollenspiels aus. Bezieht man den Lernaspekt auf die Schaffung eines Klimas in dem sanktionsfrei ausprobiert werden kann im Sinne des Rollenhandels dann behält das Probehandeln auch den Charakter des Spiels.
Ein weiteres wichtiges Argument für das Lernen im Spiel ist die Kreativitätsförderung von Spiel. Dabei wird davon ausgegangen, dass Kinder im Spiel spontan aktiv werden und somit die Seite des emotionalen und kreativen Handelns des Menschen angesprochen wird. Diese These wird von vielen Autoren sehr unterschiedlich betrachtet. Die Bandbreite geht hier von der Zustimmung bis hin zur Ablehnung in Hinsicht eines Lernprozesses. Ulmann kritisiert diesen Ansatz in der Richtung, dass das Handeln in einer Scheinwelt die Kreativität in der Realität verhindert.
Mit Spaß und Lernwirkung beschäftigt sich Horst Siebert in seiner Kontroverse Spaß und Spiel. Für ihn bedeutet Spaß nicht nur zwangloser Umgang und entspannter Atmosphäre, sondern auch eine erfolgreiche Lernanstrengung. In seiner Ansicht wollen Erwachsene gefordert werden. Lernen in Erwachsenenalter ist zwar anstrengend aber genau diese Bewältigung steigert das Selbstbewusstsein. Er empfiehlt den Spaß durch spielerische Methoden zu steigern. Dazu gehören beispielsweise originelle Kennlernmethoden, Entspannungsübungen, Rollenspiele und Kreativitätsübungen. Außerdem sieht er in Methoden-Mix die Möglichkeit Lernende zu aktivieren und möglichst ganzheitlich anzusprechen. Den Einsatz einer spielerischen Methode ist abhängig vom Lehrenden, er darf nicht nur die Methode beherrschen sondern sollte sich damit identifizieren.
Dr. Frederic Fredersdorf sieht Spiel als eustressige Tätigkeit mit lernförderndem Potenzial. Die Vorteile von Spiel in Verbindung mit Lernen sieht er in folgenden Faktoren:
- Spiele können durch ihre Vielseitigkeit lernzielorientiert gestaltet werden.
- Spiele unterstützen „den kognitiven, affektiven und psychomotorischen Lernerfolg und Lerntransfer“, durch Simulation und Schaffung von Realitäten und
- Spiele sind ganzheitlich angelegt und fördern systemisches Denken und regen Fantasie und Kreativität an.